INGE MÜNZ  
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Durch Weiss entsteht ein besonderer Charakter, der dieser Farbe zugedacht ist: Leere und Stille, die schwer zu ertragen sind. Weiss kommt in der Natur selten vor: als Wolken und Schnee, die jeden Augenblick der Veränderung unterworfen sind. Weiss ist makellos und erinnert an das Absolute, erscheint aus der Wirklichkeit herausgehoben. Es macht uns ratlos. Es konfrontiert uns mit etwas, das keine Angriffsfläche hat, es irritiert. Wir fühlen uns ohnmächtig.
Der Schatten, erzeugt durch natürliches oder künstliches Licht, verhilft Weiss zur Gestalt und offenbart seine mannigfaltigen Eigenarten, er wird zum Vermittler. Es braucht ihn, um seine Existenz zu begründen und zu behaupten. Er macht sichtbar, was im Innern verborgen ist. Ohne den Schatten ist weiss nur ein Teil dessen, was es eigentlich ist.
Licht und Schatten sind nicht greifbar. Flüchtiges entzieht sich uns, aber seine Kraft spüren wir. Schatten verändert sich ständig und damit das gesamte Bild. Besonders die Arbeiten mit Hohlräumen, "Lichte Räume" von mir genannt, gewähren Möglichkeiten für bizarre Schattenspiele, oft überdimensional groß. Die Natur schenkt uns dieses Zweitbild. In jedem Moment führt uns der Schatten dieses Spiel der Veränderung und des Nichtkonstanten vor Augen. Weiss beginnt zu leben. Es braucht Weite und es schenkt Weite: ein Spiel zum Besinnlichen hin, zur Konzentration, zum Staunen. Licht und Schatten gehen eine Symbiose ein.
Nicht nur Arbeiten mit Hohlräumen verschaffen uns solche Erlebnisse. Die Dreidimensionalität schlechthin bietet Raum dafür. Es zeigt sich die Gewalt der Weisstöne. Der Schatten verleiht jedem Objekt etwas Irrationales: er beginnt seinen Tanz in seinem eigenen Rhythmus. Quirlig und leicht offenbaren sich Licht und Schatten von selbst und konfrontieren uns mit Eindrücken einer besonderen Welt. Sie zaubern ein Stück Traum und Wirklichkeit - eine Illusion - sie führt uns in freie Räume. Das Alltägliche verblasst. Das Kunstwerk hat seine imaginäre Gestalt erhalten. Es bleibt uns, sie anzuerkennen als ein Merkmal der Kunst.
Inge Münz